Tibeter Brennen


Dieser junge Mann verbrannte sich letzte Woche in der Nähe der chinesischen Botschaft on New Delhi kurz vor dem Besuch des chinesischen Präsidenten.

Gestern kamen schon wieder Nachrichten von weiteren Selbstverbrennungen in Tibet.

Die buddhistische Lehre legt großen Wert auf Respekt vor dem Leben auch und besonders vor dem eigenen Leben. Es wird immer wieder betont, wie unschätzbar wertvoll unser Körper ist, da er es uns erlaubt, an der Existenz teilzuhaben, sie zu ergründen und letztenendes für sich selbst und für alle Wesen die Erlösung vom Leid zu verwirklichen. In der christlichen Terminologie heißt das, "das ewige Leben erlangen".

Wenn sich Tibeter jetzt verbrennen, dann demonstrieren sie damit, daß das körperliche Leben aber kein Selbstzweck ist, daß es nicht genug ist, körperlich anwesend zu sein.

Wenn ich die brennenden Menschen sehe, dann spüre ich in mir die Resonanz mit der brennenden Frage, wie wir diese schreckliche politische, ökonomische, soziale und ökologische Realität des Planeten Erde im Jahr 2012 umgestalten können. Was tun wir Menschen, daß wir ein solches Resultat hervorbringen?

Wir im Westen haben China Macht gegeben. Unsere ungebremste und rüchsichtslose Sucht nach Wirtschaftswachstum, unsere Prioritäten, unsere Rentenversicherung, Urlaubsgeld und materielle Sicherheit, geben China die Oberhand über Tibet, entgegen der Gerechtigkeit.

Die Tibeter brennen nicht nur für China, sie brennen auch für uns und sie machen klar, wie dringend wir umdenken sollten. Sie opfern sich auch nicht nur für ihre eigenen Sache, sondern für die geistige, spirituelle, religiöse Dimension des menschlichen Lebens schlechthin.

In dem ungleichen Kampf zwischen Tibet und China spiegelt sich so ziemlich unser gesamtes menschliches Drama der Gegenwart. Rohstoffinteressen gegen Umweltschutz, Wirtschaftswachstum gegen gesunde Lebensgrundlagen, rohe Gewalt gegen Gerechtigkeit, Manipulation gegen Wahrheit, Zwang gegen Freiheit, Eigeninteresse gegen Mitgefühl, Materialismus gegen Spiritualität.

Keine Regierung der Welt verwendet sich für die Tibeter. Sie sind in einer fast aussichtslosen Lage und spiegeln vielleicht auch darin den wahren gegenwärtigen Zustand auf dem Planeten Erde.

Mit den Selbstverbrennungen senden sie ein verzweifeltes Signal in die Welt. Es wäre besser für uns alle, für die Erde und für unsere Zukunft, wenn wir unsere Kräfte für Tibet einsetzen und das Ungleichgewicht umkehren.

Es geht nicht nur um Tibet, es geht um unsere Welt.